Ich fühle mich belogen und betrogen

dieses ist ein Beitrag den ich vor ca. einem Jahr mal auf die Mailing-Liste gesetzt habe. Er führte dazu das ich von Fritz zum ersten Mal den Titel „Troll“ verliehen bekam und damals schrieb er mir zum ersten Mal die Geschichte aus dem ersten Schwabenkrieg …. und das er schon mal ein Parteimitglied entfernt habe und er für Ruhe und Ordnung gesorgt hat. Das hat mir damals unheimlich imponiert.
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von den Piraten …….

Nein ganz so schlimm ist es nicht aber ich will es trotzdem mal loswerden.

Ich gehöre wohl zu den Piraten der III. Generation. Ich denke mal alle die so ab 2011 zu den Piraten gestoßen sind zählen dazu. Und ich glaube auch das einige dabei sind die es nur auf einen schnellen Platz auf der Kommandobrücke abgesehen haben. Aber ich weiß auch das viele der Neu-Piraten nur aus einem einzigen Grund zu uns ( ich fühl mich immer noch zugehörig) bei uns angeheuert haben: Wir haben Euren Versprechungen für Transparenz und Bürgernähe geglaubt. Wir haben wirklich geglaubt die Piraten wollen unsere politische Gesellschaft und Kultur reinigen vom Filz der Verflechtung und Korruption. Wir haben wirklich geglaubt es geht bei den Piraten um einen Umbau der Gesellschaft.

Und so wie viele Neupiraten Euch geglaubt haben hoffen viele Menschen in unserem Lande darauf dass die Piraten wirklich etwas ändern wollen. Aber diese Menschen interessieren sich erst in zweiter oder dritten Linie um Breitband, Urheberrecht, ACTA oder was sonst noch so bei uns an vorderster Stelle steht. Die große Masse unserer Wähler setzen große Hoffnung darauf dass wir wirklich vorhaben gesellschaftlich und politisch unser Land zu verändern. Sie hoffen darauf dass dieser Staat wieder vom Bürger für den Bürger gestaltet wird. Und der Bürger zeigt uns ganz klar und deutlich dass er bereit und gewillt ist uns seine Unterstützung und Zustimmung anzuvertrauen.

Ich bin jetzt ca. 5 Monate aktiv bei den Piraten und muss immer wieder feststellen dass es sehr vielen „Altpiraten“ einzig und allein darum geht ihre eigenen Interessen und Positionen zu festigen und zu verteidigen. Wir waren ja gestern versammelt in Neu-Ulm für’s erste Kandidatengrillen und für mich war es am Ende eine sehr ernüchternde Bilanz die ich ziehen musste: die große Masse der Parteimitglieder interessiert sich gar nicht dafür wer und vor allen Dingen warum die Kandidaten sich für den Bundes- oder Landtag aufstellen lassen. Sie sind wohl total zufrieden damit wenn sie am Stammtisch mit geöffnetem Laptop sitzen können. Politik interessiert sie einen Scheißdreck. Darum war es eigentlich ein Grillabend an dem Kandidaten Kandidaten gegrillt haben; eine Basis war kaum auszumachen. Und auch die Parteiführung von Schwaben und Augsburg hat durch ihre Abwesenheit demonstrativ zum Ausdruck gebracht was sie von solchen Veranstaltungen hält. Nämlich gar nix.

Und wie wollt ihr einem Direktkandidaten klar machen dass er die Unterstützung von Parteiführung und Parteibasis für den Wahlkampf hat wenn diese sich schon gleich von Beginn an so klar von den Wahlvorbereitungen fernhalten?

Was ich bei den Piraten am meisten vermisse ist der Wille oder auch nur die Bereitschaft mit dem Ändern erst einmal bei sich selber zu beginnen. Die Zeiten der Laptop-Stammtische sind so langsam vorbei. Wir müssen uns so langsam mal auch mit den politischen Inhalten auseinandersetzen welche der Masse unserer Wähler unter den Nägeln brennen. Und wir müssen aufhören nur alles aus dem Chaos heraus zu gestalten sondern wir haben eine Größe erreicht indem wir zumindest Grundstrukturen in Partei und Programm aufzeigen können.

Und das kann problemlos funktionieren auch nach den Piraten-Gesetzen von Transparenz und Basisdemokratie. Deutschland ist ein Land mit rund 80 Millionen Bürgern. Da kann man unmöglich Politik betreiben nach dem Chaos-Prinzip. Wenn wir weiter danach handeln werden wir feststellen müssen dass wir in 5 Jahren vom Wähler nicht mehr wahrgenommen werden. Dann sind wir vielleicht genau dort wieder angekommen wo sich viele Piraten hinsehnen. Zurück am Stammtisch, in trauter Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und vor allen Dingen ….. vollkommen ohne jegliche Verantwortung..

Aber wer politisch etwas verändern möchte wird nicht umhinkommen auch Verantwortung zu übernehmen, so schwer es auch manchmal sein mag.

Und darum stellt sich für mich nun eigentlich nur noch eine Frage:

Bin ich selber bereit Verantwortung zu übernehmen ?

Bin ich bereit zu entern und dann auch zu ändern ? Und damit meine ich nicht unsere politische Landschaft angefangen in den Kommunen und Gemeinden über das Länderparlament bis hin in den Bundestag …. Nein ich meine damit ob ich bereit bin dieses Piratenschiff welches zur Zeit ohne Fahrt zu machen dahindümpelt zu entern und zu ändern ?

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